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Schock am Ölmarkt – Mai Futures negativ

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Zum ersten Mal in der Geschichte wurde der Preis für WTI Öl am 21. April unter 0 US-Dollar gehandelt. Dieser extreme Einbruch bei den Futures-Verträgen für den Monat Mai zog nicht nur den Dow Jones in Mitleidenschaft, der um 2,4 Prozent auf 23650,44 Punkte einbrach. Auch der deutsche Leitindex DAX verlor an jenem historischen Tag 4 Prozent und sank auf 10249,85 Punkte. Die Cryptowährung Bitcoin behauptete sich hier etwas besser und fiel nur um rund 260 Punkte von 6560 Euro am 19.04. auf 6294 Euro am 10. April. Seither befindet sie sich allerdings wieder im Aufwind.

Was war geschehen?

Die Nachfrage nach Öl befindet sich wegen der Corona-Virus Pandemie auf Talfahrt. Hinzu kommt ein Streit zwischen den Konkurrenten bei der Ölförderung Russland und Saudi-Arabien. Dieser Disput wurde zwar vorübergehend geschlichtet, indem man sich auf Kürzungen um 9,7 Millionen Barrel täglich bei der Fördermenge verständigte. Die Kürzungen wiegen jedoch in keiner Weise die nachlassende Nachfrage auf und wurden außerdem nur bis einschließlich Juni festgelegt. Da aber nicht absehbar ist, wann Wirtschaft und Reisebranche wieder an Fahrt gewinnen und darum einen höheren Ölbedarf anmelden, beginnt sich die Unsicherheit beim WTI-Öl bereits auf die Juni Futures auszuwirken. Diese fielen am Montag (27.04., Stand 17:00 Uhr) auf 12,04 Dollar pro Barrel Öl.

Da die Luftfahrt am Boden liegt, kaum Reisen unternommen werden und US-Präsident Donald Trump schon im Winter zu sehr günstigen Preisen die amerikanischen Ölreserven aufstocken ließ, finden Öllieferanten kaum noch Abnehmer für das bereits verschiffte Öl. Trader mussten tatsächlich an den Terminhandelsbörsen Geld bieten, um ihre Mai-Verträge abzustoßen. So schloss der Ölpreis für Mai endgültig über 11,57 US-Dollar im Negativbereich, nachdem er zurvor auf ein Tief von – 37 US-Dollar gesunken war.

Ölindustrie gefährdet die Finanzbranche

Die Ölindustrie stellt für die USA einen besonders wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Der Branchenverband American Petroleum Institute schätzt, dass rund 10 Millionen Amerikaner in diesem Wirtschaftszweig tätig sind. Außerdem beträgt der Anteil der Öl- und Gasindustrie am BIP ca. 8 Prozent. Die Investmentbank Goldman Sachs bezeichnete die negativ gehandelten Futures-Verträge als „historischen Kollaps“ und rechnet für die Zukunft mit der Stilllegung von Ölquellen in den USA. Von Schließungen wären dort vor allem kleinere und bereits vor der Krise überschuldete Shale-Oil Unternehmen betroffen, was zu einer enormen Pleitewelle führen könnte. Denn der sogenannte Break-Even-Point liegt für die meisten Shale-Oil-Förderer bei 40 US-Dollar. Unterhalb dieser Grenze ist die Produktion zu teuer, da Unternehmen bei der Förderung mehr zahlen als sie einnehmen. Fällige Kredite könnten so nicht mehr bedient werden und eine erneute Finanzkrise würde wahrscheinlich.

Konsequenzen des Ölpreisverfalls

Die seit jeher bestehende Korrelation zwischen den Ölsorten Brent und WTI steht mit dem Verfall des Ölpreises der Sorte WTI auf der Kippe. Zwischenzeitlich ergab sich hier ein Spread von 70 Prozent, auch wenn sich WTI gegen Ende der letzten Handelswoche der Sorte Brent wieder auf einen Preisunterschied von 29 Prozent annäherte. Diese hohe Differenz beflügelt mittlerweile auch die Fantasie der Anleger, von denen einige nun darauf setzen, Brent zu verkaufen, um WTI zu kaufen.