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ein junger Mann in seinem Büro, der eine Versicherungspolice zeigt und mit einem Stift zeigt, in dem der Versicherungsnehmer unterschreiben muss

Kapitallebensversicherungen zukünftig noch unattraktiver?: höhere Provisionen, weniger Erträge

Die Kapitallebensversicherung ist mittlerweile seit einigen Jahren ein Versicherungsprodukt, welches deutlich an Beliebtheit verloren hat. Der wesentliche Grund besteht darin, dass die Renditen für Kunden in den letzten zehn Jahren drastisch gesunken sind. Die wesentliche Erklärung dafür ist die anhaltende Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten, sodass Lebensversicherer teilweise mittlerweile Probleme haben, die zugesagten Garantiezinsen von beispielsweise von vor zehn Jahren einzuhalten. Ein aktueller Blick auf die Situation zeigt, dass die Lebensversicherung in diesem Jahr sogar noch unattraktiver werden könnte.

Einige Lebensversicherer haben für 2020 bereits die Verzinsung reduziert

Das Jahr hat erst gerade begonnen, aber dennoch gibt es im Bereich der Kapitallebensversicherung bereits schlechte Nachrichten. Es sind schon einige bekannte Lebensversicherer, welche ihre laufende Verzinsung bei Neuverträgen in diesem Jahr reduziert haben. Dazu gehören insbesondere:

  • Allianz
  • Alte Leipziger
  • Württembergische

Die Allianz Versicherungsgesellschaft zum Beispiel hat ihre Verzinsung um 0,3 Prozentpunkte reduziert. Demgegenüber gibt es allerdings auch einige Versicherungsgesellschaften, die zumindest bisher in diesem Jahr keine Senkung der laufenden verzinsen angekündigt haben. Dazu zählen unter anderem die Hanse Merkur oder auch AXA.

Für Verbraucher ist es daher noch ratsamer als ohnehin schon, einen Vergleich der Angebote vorzunehmen. Allerdings ist die Kapitallebensversicherung ohnehin für immer weniger Kunden die beste Lösung. Die laufende Verzinsung besteht übrigens zum einen aus der Garantieverzinsung und zum anderen aus der Überschussbeteiligung. Vorher werden allerdings sämtliche Kosten abgezogen, was das nächste negative Thema bezüglich der Lebensversicherung ist.

Provisionen sind im Durchschnitt angestiegen und befinden sich auf einem hohen Niveau

Auf der einen Seite müssen Versicherungsnehmer also in diesem Jahr teilweise geringere Zinsen bei der Lebensversicherung in Kauf nehmen. Auf der anderen Seite sind die Provisionen im Durchschnitt in den letzten Jahren angestiegen. Diese verringern selbstverständlich die Rendite, sodass Versicherungsnehmer im Grunde von zwei Seiten aus negative Tendenzen hinnehmen müssen. Im Jahre 2017 lag die Summe an Provisionen noch bei rund 3,9 Milliarden Euro, während es vor zwei Jahren (2018) schon 4,1 Milliarden Euro waren. Umgerechnet und bezogen auf die Beitragssumme der Versicherungsnehmer entspricht das einer durchschnittlichen Provision von knapp über 3,8 Prozent. Bei etwa einem Drittel der Versicherungsnehmer beläuft sich die zu zahlende Abschlussprovision sogar auf 4 Prozent gemessen am Beitrag. Dies ist allerdings noch lange nicht der traurige Höchstwert, denn teilweise mussten an einzelnen Vermittler Provisionen von über sieben Prozent seitens der Kunden gezahlt werden. Insbesondere diese hohen Abschlussprovisionen sind es, die inzwischen in weiten Teilen ein äußerst negatives Bild von der Lebensversicherungen zeichnen.

Garantiezins soll in 2021 vielleicht erneut sinken

Neben der bereits angesprochenen laufende Verzinsung, welche die Garantieverzinsung und die Überschussbeteiligung beinhaltet, geraten Versicherungsnehmer vermutlich im nächsten Jahr weiterhin an der Zinsfront unter Beschuss. So lautet eine Empfehlung, dass der sogenannte Höchstrechnungszins im kommenden Jahr von bisher 0,9 auf 0,5 Prozent gesenkt werden soll. Es handelt sich dabei um die Obergrenze, an die sich Versicherungsgesellschaften halten müssen, was deren Garantiezusagen für die Zukunft angeht. Als Grund wird insbesondere genannt, dass bisher keine aktuellen Anzeichen zu erkennen sind, dass sich die Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten in absehbarer Zeit ändern könnte.

Gibt es Alternativen zur Kapitallebensversicherung?

Während laufende Verträge im Bereich der Kapitallebensversicherung zum Teil noch gute Renditen erzielen, wenn sie beispielsweise vor zehn Jahren oder länger abgeschlossen wurden, sind Neuverträge faktisch nicht mehr attraktiv. Daher stellt sich natürlich die Frage, ob es Alternativen zur Kapitallebensversicherung gibt. Dazu muss man wissen, dass eine Besonderheit und im Grunde das Alleinstellungsmerkmal dieses Versicherungsproduktes darin besteht, dass Sie zum einen Vermögen aufbauen und zum anderen Ihren Todesfall finanziell absichern können. Die gute Nachricht ist: diese zwei Ziele können Sie nicht nur mit einem einzigen Produkt, nämlich der Kapitallebensversicherung, erreichen. Deshalb raten immer mehr Fachleute und auch Verbraucherschützer dazu, die eigentlich vorgesehene Kapitallebensversicherung einfach in zwei unterschiedliche Produkte zu splitten.

Dazu kommen beispielsweise die folgenden Finanz- und Versicherungsprodukte infrage:

  • Risikolebensversicherung
  • Fondssparplan
  • ETF-Sparplan
  • Aktiensparplan

Die Risikolebensversicherung ist der erste Baustein, denn damit können Sie – wie auch bei der Kapitallebensversicherung – das Todesfallrisiko finanziell absichern. So schützen Sie beispielsweise Ihre Angehörigen nach Ihrem Tod, die dann finanziell – zumindest für die erste Zeit – versorgt sind. Der zweite Baustein dient dem Vermögensaufbau, den Sie vielleicht bisher mit einer Kapitallebensversicherung durchgeführt haben. Diesbezüglich gibt es allerdings deutlich bessere bzw. renditestärkere Alternativen zur Kapitallebensversicherung. Denn wie wir gerade ausgeführt haben, liegt die durchschnittliche Rendite dort bei Neuverträgen nur noch selten oberhalb von 3,5 Prozent. Wesentlich besser schneiden insbesondere Fonds-, ETF- und Aktiensparpläne ab. Diese haben in der Vergangenheit einen durchschnittlichen Ertrag zwischen sechs und sieben Prozent pro Jahr erwirtschaften können.

Altverträge nicht einfach ohne Prüfung kündigen

Bei manchen Verbrauchern führen die negativen Schlagzeilen zur Kapitallebensversicherung dazu, dass Sie sich relativ spontan und zum Teil auch unüberlegt dazu entschließen, ihre bisherige Kapitallebensversicherung zu kündigen. Diesen Schritt sollten Sie sich allerdings sehr gut überlegen. Zum einen ist es bei Altverträgen häufig noch so, dass die Verzinsung inklusive Überschussbeteiligung durchaus noch attraktiv ist. Dies trifft insbesondere auf Verträge zu, die schon zehn Jahre oder länger laufen.

Zum anderen kann sich eine Kündigung insbesondere bei Lebensversicherungen, die erst zwischen einem und fünf Jahren laufen, sehr negativ auswirken. Die bereits erwähnten Abschlussprovision und auch Verwaltungskosten werden häufig nämlich in den ersten Jahren mit den Beiträgen verrechnet. So kann es passieren, dass Sie beispielsweise bei einer Lebensversicherung, die Sie vor zwei Jahren abgeschlossen haben und jetzt kündigen, weniger Geld herausbekommen, als Sie eingezahlt haben. Falls Sie das bereits angesammelte Kapital benötigen oder Beiträge aktuell nicht mehr zahlen können, bieten sich zur Kündigung noch Alternativen an, nämlich:

  • Verkauf der Lebensversicherung am Zweitmarkt
  • Vertrag ruhen lassen
  • Lebensversicherung abtreten

Den Vertrag ruhen zu lassen ist natürlich nur dann eine Option, wenn Sie das Kapital nicht benötigen, aber aktuell nicht die finanziellen Mittel haben, die vereinbarten Beiträge weiterhin zu zahlen. Die beiden anderen Alternativen, insbesondere der Verkauf am Zweitmarkt, aber auch das Abtreten der Lebensversicherung, führen dazu, dass der sogenannte Rückkaufswert ausgezahlt wird.

Wie Sie die zukünftige Entwicklung aus?

Solange es an den Kapitalmärkten weiterhin so niedrige Zinsen gibt, wird die Zukunft der Kapitallebensversicherung vermutlich nicht besser werden. Voraussichtlich werden es immer mehr Interessenten sein, die sich gegen die Kapitallebensversicherung entscheiden. Attraktiv könnte diese Versicherungsvariante dann wieder werden, wenn eine Zinswende am Markt eintritt und daher auch die Garantiezinsen sowie die Überschussbeteiligung wieder einmal in einen Bereich kommen, der zumindest einigermaßen interessant als Rendite für den Vermögensaufbau ist.

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